Was ist Klärschlamm ?

Als Klärschlamm werden die Rückstände bezeichnet, die bei der Abwasserreinigung anfallen und entsorgt werden müssen. Sie enthalten im wesentlichen Biomasse, Nährstoffe und die behandelten Reste oder Rückstände vieler Schadstoffe, die in das Abwasser gelangt sind. Derzeit fallen in Deutschland jährlich ca. 2,5 Mio. t getrockneter Klärschlamm an, was in etwa 90.000 LKW-Ladungen entspricht. In den letzten Monaten ist - verstärkt durch die Problematik BSE und MKS - wieder die öffentliche Diskussion über die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm in Gang gesetzt worden. Es sind Bestrebungen im Gange, das Ausbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen grundsätzlich zu verbieten. Dies hat zu einer erheblichen Verunsicherung unter Bürgern, Landwirten und Entscheidungsgremien geführt. Bei einer Entscheidungsfindung sind jedoch folgende Grundsätze zu berücksichtigen:Klärschlamm entsteht zwangsläufig bei der Abwasserreinigung. Die gewählten Entsorgungswege sind demnach langfristig zu betreiben.
Alle in Frage kommenden Entsorgungsalternativen müssen mit der gleichen Sorgfalt und auf die gleichen Kriterien geprüft werden. Medienwirksame, aber voreilige Entscheidungen nützen niemanden.
Klärschlamm ist nicht gleich Klärschlamm. Die Zusammensetzung und das Risikopotential können in einer Großstadt anders sein als bei einer ländlichen Gemeinde.
Eine Deponierung von unbehandeltem Klärschlamm ist ab 2003 gesetzlich nicht mehr zulässig. Die derzeit auch praktizierte Verbringung in andere Bundesländer oder ins Ausland kommt als gesicherter Entsorgungsweg nicht in Frage.
Als zukünftiger Klärschlamm-Entsorgungsweg für Deutschland wird die Verbrennung in Müll- oder Kohlekraftwerken propagiert. Diese auf den ersten Blicke attraktive Lösung beinhaltet jedoch eine Reihe von anderen Problemen:

Die vorhandenen Verbrennungskapazitäten in Deutschland reichen hierfür nicht aus. Die Genehmigungsprobleme von Kraftwerksneubauten sind bekannt. Zudem müssten zusätzlich Vortrocknungseinheiten installiert werden.
Auch nach der Verbrennung bleiben Schlacken und gegebenenfalls schadstoffbelastete Aschen übrig, die entsorgt und gelagert werden müssen.
Für den Klärschlammtransport, die -vortrocknung und die Reststoffentsorgung wird zusätzlich Primärenergie verbraucht, was zu vermehrtem CO2-Ausstoss führt.
In etwa 30 Jahren sind die Weltvorräte an Phosphor, einem unentbehrlichen Pflanzendünger, erschöpft. Die Klärschlammverbrennung entnimmt der Natur unwiederbringlich weiteren Phosphor.
Die Klärschlamm ausbringenden Landwirte erleiden einen nicht unerheblichen Einkommensverlust.
Die bisher gemachten Investitionen im Bereich alternativer Entsorgungen, wie z.B. Biogasanlagen oder Vererdungsanlagen wären umsonst gewesen. Mit diesen stehen eine Reihe kombinierter Verfahren zur Verfügung, um die im Klärschlamm noch enthaltene Energie CO2 neutral zu nutzen und das Klärschlammvolumen zu verringern.
Die Schadstoffgehalte anderer Nährstoffquellen, z.B. von Gülle, Stallmist oder technisch hergestelltem Mineraldünger liegen in der gleichen Größenordnung wie die von durchschnittlichen Klärschlämmen. Bei Wegfall von Klärschlamm als landwirtschaftlicher Dünger müssten hier die Kontrollen verstärkt werden. Beim Zukauf und Transport von Kunstdünger fallen außerdem zusätzliche Kosten an.
Durch Mehrinvestitionen in allen genannten Bereichen steigen die spezifischen Entsorgungskosten für Klärschlamm.
Klärschlamm entsteht - als Spiegel unseres Handelns - in dem Maße und in der Zusammensetzung, wie wir mit unserer Umwelt umgehen. Ohne Klärschlamm geht es nicht. Es gibt jedoch kein "Universalrezept" für die Klärschlammentsorgung. Für jede Kläranlage müssen in Abhängigkeit von Topographie, Infrastruktur, Klärschlammanfall und -zusammensetzung Lösungen entwickelt und optimiert werden.